Rebekka Steiger, 翻風, 2020, tempera, ink and oil on canvas, 170 x 240 cm

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Rebekka Steiger
des chromosomes dans l‘atmosphère
February 6 - April 24, 2021

Die Galerie Urs Meile freut sich mit des chromosomes dans l’atmosphère die dritte Einzelausstellung der Künstlerin Rebekka Steiger (*1993 in Zürich, arbeitet zurzeit in Luzern) anzukündigen. Sie folgt den Ausstellungen 猫头鹰–virages nocturnes in der Pekinger Galerie im Jahr 2018 und wild is the wind Anfang 2019 in der Luzerner Galerie. Die aktuelle Ausstellung ist untrennbar mit Steigers Erfahrungen während ihres mehrmonatigen Aufenthalts in der Galerie Urs Meile in Peking ab 2018 verbunden. Das Erlernen der hochchinesischen wie auch kantonesischen Sprache und die in China gesammelten Eindrücke beeinflussten Steigers künstlerische Entwicklung nachhaltig.

Die ausgestellten Werke wie 翻風 (Faanfung; 2020, Tempera, Tusche und Öl auf Leinwand, 170 x 240 cm) oder bridge over troubled waters (2020, Tempera, Tusche und Öl auf Leinwand, 200 x 240 cm) sind Teil einer neuen Serie von Werken, die ihren Anfang mit der Malerei noise (2019, Öl und Gouache auf Leinwand, 180 x 240 cm) nahm, welche als eine der letzten Arbeiten im Dezember 2019 in Peking entstand. Bei Steigers Arbeit an der grossformatigen Malerei nahm die Leinwand die wasserlösliche Farbe nur in Streifen auf. Die von traditioneller japanischer Tuschemalerei inspirierte Landschaft wurde durch diesen Unfall unverhofft und auf überraschende Weise abstrahiert und rhythmisiert. Anstatt den Fehler zu korrigieren, nahm Steiger diesen Effekt auf und folgte seinem Raster bei der Weiterarbeit am Bild.

Im weitesten Sinne zwischen Landschaft und Abstraktion oszillierend, führen die Bilder in der aktuellen Ausstellung eine von Steigers Werkreihen fort, die dieses Thema behandelt. Das Zusammentreffen von Tusche, Tempera- und Ölfarbe erzeugt neue Effekte, die auf den unterschiedlichen Eigenschaften der Malmittel beruhen und ein faszinierendes Ineinanderfliessen von Formen und Farben erzeugen.

Ihre neuen Gemälde entwickelt Steiger hauptsächlich in zwei Schritten. Auf langen schmalen Metalllatten balancierend, bewegt sich die Künstlerin über die am Boden liegenden Leinwände und gleitet mit einem in Tinte getauchten Pinsel der Latte entlang. Danach fügt sie den dadurch entstehenden rhythmischen Streifen Wasser hinzu und hebt die Leinwand in die Schräge, sodass die puren Tintenfarben ineinander zu fließen beginnen. Die Malerin manipuliert die flüssige Farbe solange, bis der Rhythmus der Komposition für sie einen stimmigen Ausgangspunkt bildet. Sobald die Farben getrocknet sind, beginnt ein langsamer und weniger intuitiver Prozess: Genau inspizierend was auf der Leinwand passiert ist, arbeitet sich die Künstlerin Zentimeter für Zentimeter über die Oberfläche. Im Versuch die schönsten, seien es auch noch so kleine Details, zu finden und hervorzuheben, betont Steiger gewisse Stellen, übermalt andere oder füllt leere Passagen mit Ölfarbe.

Die spätere Titelfindung erfolgt wie der Malprozess intuitiv und assoziativ. 翻風 - Faan fung - bedeutet wörtlich aus dem Kantonesischen übersetzt: Rückkehrender Wind. In Hong Kong wird der Ausdruck für einen aufkommenden Taifun verwendet. Bei der Wahl des Titels geht es der Künstlerin um die Dynamik der Komposition sowie den Landschaftsaspekt des Bildes. Wie viele von Rebekka Steigers Werktiteln hat auch muddy waters (2020, Tempera, Tusche und Öl auf Leinwand, 300 x 240 cm) eine mehrfache Bedeutung. Wörtlich übersetzt bezieht sich der Titel auf das durch eingeweichte Pinsel verschmutzte Wasser, mit dem das Bild gemalt wurde, und ebenso auf die gemalte Landschaft, die für die Künstlerin entweder Meer- oder Unterwasserszenerie sein könnte. Gleichzeitig ist es eine Hommage an den Musiker, dessen Jazzmusik auf ihren Kopfhörern lief, als sie auf dem Heimweg über den Titel für dieses Bild nachdachte.

Bei anderen Gemälden wie dem der Ausstellung den Titel gebenden des chromosomes dans l’atmosphère (2020, Tempera, Tinte und Öl, 240 x 200 cm) fungiert eine Zeile aus einem Lieblingslied der Künstlerin als Werkname. In dieser Arbeit erscheint bei näherer Betrachtung eine in Steigers OEuvre immer wiederkehrende Gestalt, der galoppierende Reiter. Hier ist die Figur jedoch in Auflösung begriffen, seine übrig gebliebenen Bestandteile tragen jedoch nach wie vor die nötige Grundinformation um ihn zu erkennen. Diesen ungewöhnlichen Effekt der Dissolution erzeugte Steiger anhand einer Photographie des Gemäldes, welches sie im Bildbearbeitungsprogramm ihres Mobiltelefons mithilfe der Ausschneide- und Radierfunktion bearbeitete und später wiederum beim Malen als Vorlage verwendete. Das direkte Übernehmen von digitalen Skizzen kommt für Steiger selbst, die sich bislang als analoger Mensch beschrieb, überraschend. Allerdings ist die Verwendung des Telefons als Skizzenblock oder Entwurfswerkzeug für die Künstlerin nicht als unabhängige Kunstform interessant, sondern dient dazu ihr Repertoire von Abstraktionsvorgehen und Formenfindung in der Malerei zu erweitern. Ob dieses Vorgehen in Zukunft fester Bestandteil des Arbeitsprozesses sein wird oder sich in neue, von der digitalen Welt unabhängige Vorgehensweisen weiterentwickelt, wird sich zeigen.

Die poetische Mehrdeutigkeit der chinesischen Sprache und die Uneindeutigkeit bei der Übersetzung sind nach wie vor wichtige Inspirationsquelle für Steigers Werke. Eine Silbe im Chinesischen kann je nach Aussprache unterschiedliche Bedeutungen haben. „Die chinesische Sprache ist fast wie eine Exegese meiner Arbeit“, bemerkte die Künstlerin einst.

Der Werktitel 山水花 (2020, Tempera, Tinte und Öl auf Leinwand, 200 x 240 cm) bezieht sich auf den Gattungsnamen traditioneller chinesischer Lanschaftsmalerei: 山水画(shanshuihua). Allerdings ersetzt die Künstlerin das Zeichen 画hua – Gemälde – mit dem ähnlich klingenden 花 hua, welches Blume bedeutet. So wird der Titel also wörtlich übersetzt zu Bergwasserblume. Berg, Wasser und Blumen sind wiederum eine Beschreibung dessen, was auf der Malerei dargestellt ist.

Rebekka Steiger ist 1993 in Zürich geboren. Sie studierte 2013 bis 2016 Kunst an der Hochschule Luzern Design und Kunst. Im Jahr 2016 wurde sie mit zwei Preisen ausgezeichnet, dem “Ausstellungspreis“ der Kunstgesellschaft Luzern und dem „Förderpreis“ der zeugindesign-Stiftung. Zu ihren wichtigsten Einzelausstellungen zählt Rebekka Steiger - boxing the compass im Kunsthaus Grenchen im Jahr 2020, sowie die Werkschau 2020 im Museum Haus Konstruktiv (Zürich) und die Gruppenausstellung Zentral! im Kunstmuseum Luzern.

"By lifting the canvas the more fluid parts connect to each other and let the pure ink colors merge. I adjust the outcome as long as the painting is still wet until I sense the overall rhythm of the paint provides a good starting point. After the canvas dried, a more slow and considerate process starts. Undertaking a close inspection of what has happened on the canvas, I work my way across it inch by inch. Trying to discover the most beautiful, if ever so small detail and emphasizing it, either by over-painting distractive parts or filling in the blanks to bring out even the finest traces of the dispersed paint. The challenge is not to loose track of the overall composition when being this focused on details."

— Rebekka Steiger

photo: Francisco Sierra

Rebekka Steiger, muddy waters, 2021, tempera, ink and oil on canvas, 300 x 240 cm

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Rebekka Steiger, 山水花, 2020, tempera, ink and oil on canvas, 200 x 240 cm

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Rebekka Steiger, oysters for boys, 2020, tempera, ink and oil on canvas, 200 x 240 cm

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Rebekka Steiger, meteor, 2020, tempera, ink and oil on canvas, 120 x 150 cm

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Rebekka Steiger, des chromosomes dans l‘atmosphère, 2020, tempera, ink and, oil on canvas, 240 x 200 cm

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Rebekka Steiger, untitled, 2020, tempera and oil on canvas, 45 x 30 cm

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Rebekka Steiger, cut corners, 2021, tempera and oil on canvas, 170 x 240 cm

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Rebekka Steiger, 影子传说 , 2020, ink and oil on canvas, 100 x 80 cm

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Rebekka Steiger, bridge over troubled waters, 2020, tempera and ink on canvas, 200 x 240 cm

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Rebekka Steiger, propeller, 2020, tempera, ink and oil on canvas, 170 x 240 cm

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Rebekka Steiger, untitled, 2020, tempera, ink and oil on canvas, 50 x 70 cm

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Rebekka Steiger, untitled, 2021, ink on canvas, 30 x 40 cm

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Rebekka Steiger, untitled, 2021, tempera, ink and acrylic on canvas, 30 x 40 cm

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Rebekka Steiger, untitled, 2020, tempera, ink and oil on canvas, 80 x 100 cm

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Rebekka Steiger, untitled, 2020, ink on canvas, 45.5 x 30 cm

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Rebekka Steiger, untitled, 2021, ink on canvas, 41 x 30 cm

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Rebekka Steiger, untitled, 2020, tempera, ink and oil on canvas, 30 x 45 cm

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Rebekka Steiger, rondeau, 2020, tempera, ink and pastell on canvas, 240 x 200 cm

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Rebekka Steiger, framed in white, 2020, tempera, ink and oil on canvas, 200 x 240 cm

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Rebekka Steiger, noise, 2019, oil and gouache on canvas, 180 x 240 cm

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Rebekka Steiger, untitled, 2021, tempera and ink on paper, 50 x 65 cm

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Rebekka Steiger, untitled, 2021, ink on paper, 50 x 65 cm

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Rebekka Steiger, untitled, 2021, tempera, ink and oil stick on paper, 50 x 65 cm

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Rebekka Steiger, untitled, 2020, tempera, ink and oil on paper, 50 x 65 cm

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Rebekka Steiger, untitled, 2020, ink and felt-tip pen on paper, 50 x 65 cm

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Rebekka Steiger, untitled, 2020, tempera and ink on paper, 75.5 x 56 cm

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Rebekka Steiger, untitled, 2020, ink, tempera and pastell on paper, 50 x 32 cm

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